Bierhoff, Seehofer, Kurz: alles keine Sozialarbeiter

Aber relevant für die Soziale Arbeit!

Die Art des Vorgehens um Abzulenken: von den eigenen Schwierigkeiten und dem eigenen Versagen; dem rücksichtslosen Vertreten der eigenen Interessen; dem Verweigern gesellschaftliche Realität und Verantwortung wahrzunehmen, sind Positionen, denen die Soziale Arbeit ständig begegnet. Alle Drei spielen mit Melodien, die dauerhaft und folgenreich zum Umfeld der Sozialen Arbeit gehören.
Also wie umgehen mit begabten Strategen der Unverantwortlichkeit? Wie mit den geschickten Verschiebern von Problemen? Und wie auf die Strategien reagieren, soziale Fragen die Legitimation zu entziehen?
Reichen moralische Entrüstung, normative Hinweise, selbstvergebene Ethikzertifikate aus, um in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen nicht nur Gehör zu finden, sondern auch Wirkungen zu erzielen?

Die Fragen sind weder einfach noch bequem. Die Mühen lohnen sich aber und haben bessere Aussichten, als die folgenlosen Entrüstungen über die Herren.

Wilfried Hosemann

4 thoughts on “Bierhoff, Seehofer, Kurz: alles keine Sozialarbeiter

  1. In manchen Ecken im Datennirvana ist es meist schon seltsam still… Trotzdem versuche ich hier mal eine Ergänzung:

    Die Fingerzeiger und Individualzurechner haben ja scheinbar jetzt schon länger Hochkonjunktur. Selbst dem geübten System(theoret)iker, der sich als Sozialarbeiter gesellschaftlich behaupten mag, fällt es schwer, nicht selbst in das Fingerzeigen einzusteigen. Die Trumps, Seehofers, Storchs, Gaulands, usw. dieser Welt laden förmlich dazu ein, IHR Spiel zu spielen. In der Folge bleibt man dann aber in der Reaktion, man zieht nach und überlässt die Initiative anderen.

    Wie kann man komplexe Sachverhalte und die Logiken von unterschiedlichen Möglichkeiten, das Spiel zu spielen, in nachvollziehbare Bilder und Heuristiken übersetzen, um für ein wenig Licht und damit vielleicht neue Entscheidungsmöglichkeiten zu sorgen? Welche Funktion erfüllen derlei Führungspersönlichkeiten für ihre Gefolgsleute? Welche Bedürfnisse werden neuronal befriedigt?

  2. Hallo,

    ein Weg, der aus dem Kreislauf der Fingerzeiger und moralischen Überflieger herausführt, könnte über den Kontakt zur Realität und ihren Beschreibungen herausführen.

    Wenn eine Mehrheit der Einkommensbezieher mit stagnierenden Einkommen zu recht kommen muss, sich immer Menschen in „dead-end-work“ Positionen wiederfindet, wo man sein Leben lang auf der gleichen unbefriedigenden Position bleibt, wenn die Unterscheidung zwischen „lausigen“ und „befriedigenden“ Jobs immer schärfer und unüberwindlicher wird, dann ist es sicher angemessen, wenn auch in der Sozialen Arbeit über Populismus nachgedacht wird.

    Die Soziale Arbeit hat es ja nicht leicht, zwischen den Beschreibungen der sozialen Situationen und deren Analyse belastbare Verbindungen zu finden. Die Teilung der gesellschaftlichen Wirklichkeiten eröffnet allen möglichen Experten sich als „soziale Schieber“ zu profilieren. Da werden „Chancen“, „Verantwortungen“, „Zugehörigkeiten“, „Diskriminierung“, „Grenzen“ zu Demarkationslinien über die man/frau zu gehen hat. Mit der Schieberei werden indirekt Verantwortlichkeiten (wird Schuldzurechnung) verschoben.

    Jetzt liegt die Frage nahe, in wie weit die Soziale Arbeit sich an diesen Verschiebebahnhöfen beteiligt? Mit welchen Legitimationen kann es gelingen, nationalstaatlich organisierte Sozialstaatlichkeit konflikt- und mehrheitsfähig zu begründen?

    Wilfried Hosemann

  3. Na das passt ja, heute bin ich über folgenden Satz gestoßen.

    „Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit einem Radius von 0. Und das nennen Sie Ihren Standpunkt“ (Albert Einstein)

    Fragend in der Sozialen Arbeit zu bleiben, statt einschränkend festgeschreibend.
    Kontexte und neue Horizonte zu beleuchten, statt immer noch mehr desselben.
    Einen Standpunkt vertreten, der Offenheit, Anders sein unterschiedliche Kontexte zu lässt.
    Standpunkte sind eben auch nur Punkte und keine Horizonte. Ein Horizont ist mehr als die Summe der Standpunkte.

    Alltagsgeschäft für Praktiker der Sozialen Arbeit…Fortbildungsprogramm für Verantwortliche in Politik?

    Ein Kommentar aus der heutigen Momentaufnahme meiner Berufspraxis.

  4. WerteR SchreiberIn,

    Ich empfehle mal Didier Eribon „Rückkehr nach Reims“ sowie Stefan Kühl „Ganz normale Organisationen. Zur Soziologie des Holocaust“. Da steht viel darüber drin, was helfen kann, die Soße der Heißmacher nachzuvollziehen und sich ggf auch zu überlegen, was statt dessen getan werden könnte und ggf sogar wie (wow! Eine Lösung für Alles!!!(?)
    Dazu noch John von Düffel „Vom Wasser“ und weil ich schon wieder auf die Post warten muss:
    https://www.srf.ch/play/radio/popupaudioplayer?id=5187cc46-1fa5-42b7-8422-5edc74979e8e

    Beste Grüße an Herrn Hoeneß und seine Bratwürstelmanufaktur, Name

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